Über das Glück oder wie man eine Wohnung in München sucht

„Guten Tag, ich suche eine Wohnung…“

Kennt jeder von uns. Und wenn du schon mal eine gesucht hast, hast du sicherlich immer gehofft, eine „von privat“ zu bekommen. Damit du keine Maklerprovisionen zahlen musst. Denn 2,38 Mieten sind schon eine Menge Geld. Das kannst du gut gebrauchen z.B. für die Kaution oder für den Umzug. Oder evtl. für die Möbel, die du neu kaufen musst, weil die neue Wohnung immer anders geschnitten ist, als die alte… Oder dein 10 Jahre altes Sofa schon von alleine denkt „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“, wenn du dich nochmal drauf setzen willst… Und was denkt sich denn deine Küche?

Und plötzlich hörst du von deinem Arbeitgeber „Wir zahlen nicht nur Ihren Umzug, sondern auch die Maklercourtage“. Und gehst gleich einen Schnaps trinken, um den Schock zu verdauen.

Cool. Ich meine – dafür musst du erst mal Glück haben.

Wenn du Glück hast, hast du keine Haustiere, keine Tattoos, bist Nichtraucher und kannst sogar im 5. OG ohne Aufzug täglich klettern.

Dann streichst du aus deiner Wunschliste den Balkon und es ist dir egal, ob ein Rewe um die Ecke ist und eine U-bahn.

Schließlich hast du ein Auto und kannst weiter weg zum einkaufen fahren. Oder doch – lieber kein Auto, denn das braucht auch noch einen Parkplatz.

Also, Auto fort. Immoscout, verkauft, fertig.

Jetzt musst du nur noch die Wohnung finden.

„Grüß Gott, ich interessiere mich für Ihre Wohnung, arbeite bei einem der besten Arbeitgeber Münchens… hab ein gutes Gehalt und keine negativen Schufa-Einträge.“

In jeder anderen Stadt kannst du sogar den Makler beauftragen, dir eine Wohnung zu suchen. Schließlich zahlst du ihm ja die Zwei-Komma-Achtundreißig Mieten dafür.

In München nicht.

Da haben sie es nicht nötig.

Klar, natürlich KRIEGEN sie die oben genannten Zwei-Komma-Dings, aber das geht auch ohne Anstrengung.

„Warum sollte ich meine Zeit mit Ihnen verschwenden? Jeder Wohnung, die unser Immobilienbüro bekommt, ist innerhalb zwei Stunden weg!“

Nach zwei Wochen Suche kannst du schon eine Statistik veröffentlichen: zwei von zehn Makler rufen zurück. Und laden dich zu einer Besichtigung ein – heute um 13 Uhr.

Pech gehabt, wenn du in Frankfurt wohnst und evtl. sogar noch arbeitest (dieses Hobby hat halt fast jeder von uns). „…ist in zwei Stunden weg… zwei Stunden weg…“ hallt das Echo in deinem Kopf.

Und plötzlich hast du wieder Glück. Von den 60 Wohnungen, die du angerufen hast, kriegst du 4 Besichtigungstermine für den nächsten Tag.

Das mieseste, das dir passieren kann – am nächsten Tag schaust du nochmal rein, um die Adressen aus der Anzeige zu holen, und da steht: vermietet. Du glaubst es nicht, rufst an, sie schreien dich an, denn „Wenns drauf vermietet steht, IST ES JA AUCH VER-MIE-TET!“

Und du wolltest dich krank schreiben lassen, 350 km fahren und im Hotel schlafen, wegen den Besichtigungen? Glück gehabt, es hätte dich auch schlimmer treffen können.

Klar. Ich sollte vielleicht überlegen, Makler in München zu werden. Aber erst mal brauche ich eine Wohnung.

Vielleicht habe ich Glück und vielleicht hast du gerade etwas gehört. Vielleicht vermietet jemand aus deinem Freundeskreis eine Wohnung, 40-60 m², möglichst zentral, an 30-Jährigen Nicht-Raucher, ohne Haustiere und Tattoos, mit renomiertem Arbeitgeber, guten Gehalt und positiver Schufa-Auskunft.

Balkon und Aufzug, Rewe und U-Bahn, freundliche Nachbarn und schönes Haus wären natürlich noch einen Grund zu feiern.

Hast du was gehört? Dann melde dich gerne bei mir. Als Dankeschön habe ich einen Abend im Bayerischen Hof geplant.

Nachtrag: 12.10: Wohnung gefunden, vielen Dank an Maxi und Stefan für die schnelle Hilfe. :-)

Hawaii

Wenn ich
eines Tages
nicht mehr da bin,
wo du mich
sonst immer findest,
dann bin ich
im azurblauen
hawaiianischen Wasser.

Da schwimmen
drei Blumenketten.

Geh.

Geh.
Ich lasse dich im Frieden.
Nur hängt mein Herz so sehr an deinem Herzen.

Geh endlich.
Ich bin auch so zufrieden.
Was mich am Leben hält, sind diese Herzensschmerzen.

Augen

Schließe die Augen.
Atme.
Du lebst.
Du kannst.
Mach das.

Lass die Augen geschlossen.
Atme weiter.
Du bist frei.
Erträume deine Welt.
Hör auf dein Herz.
Sei glücklich.

Öffne die Augen.
Atme.
Du lebst.
Deine Welt wartet auf dich.
Bau sie dir.
Du bist frei.
Bleib glücklich.

Skyline

Nähe

Hinter dem Ohr streicheln,
die Nasenspitze an den Nacken nähern,
so dass sie sich fast berühren,
aber nur fast.

Und dann küssen.
Das Ohr, den Nacken und alles, was ungeküsst geblieben ist.

Sonntag

Abendsonne.
Fenster.
Gemütlich.
Sofa.
Anlehnen.
Kopf.
Streicheln.
Decke.
Fernsehen… oder auch nicht.

Streit mit Meersalz

Ein dünner penetranter Strahl Licht kam durch die angelehnte Schlafzimmertür rein. Kaum zu glauben, aber doch deutlich zu erkennen, lag der komplette Inhalt des Wäschekorbs auf einem riesen Haufen direkt vor dem Fenster. Die Rollläden waren noch dicht und ließen ein großes Geheimnis offen – war es Nacht oder Tag.

Mit halboffenen Augen und langsamen kleinen gemächlichen Schritten wühlte sich Brian aus dem Bett. Er war der einzige auf dieser Welt, der es seit Jahren immer schaffte, mit seinen 78 Kilo über das Parkett zu schweben und keine akustischen Spuren zu hinterlassen. Er kannte die Stellen millimetergenau und stellte seine Fußspitzen so präzise auf genau diese Parkettbalken, die gar nicht knisterten.

Kurz vor der Tür drehte er sich automatisch um, als hätte er nach etwas gesucht.

Die Wäsche sah aus wie eine klitzekleine bunte Insel, umgeben vom großen Parkett-Meer im dunklen Kirschholz. Das große Bett leuchtete sanft durch seinen schneeweißen Bezug, zwei Bettdecken quetschten sich in der Mitte und bauten eine Mauer zwischen den Betthälften.

Die erste Begegnung mit dem Leben war ein sehr bekannter Duft. Der Duft der Gemütlichkeit, so nennte ihn Brian. Eine Mischung aus dem Gesichtswasser eines schnell vorbeigelaufenen frisch rasierten Mannes mit einer Tasse starken Kaffee und zwei Scheiben Toastbrot in der Hand.

Es passierte selten unter der Woche, dass Manuel zuhause ist. Normalerweise ging er immer ganz früh arbeiten. Heute saß er auf dem Balkon und war auf irgendwas konzentriert, was er vor sich hielte.

Brian kniete hinter den nackten Rücken seines Mannes und küsste ihn liebevoll in der Mitte mit halb geschlossenen Augen. Dann küsste er weiter der Wirbelsäule entlang nach oben, bis er den Nacken erreichte und rieb am Ende sein ganzes Gesicht in Manuels rechtes Ohr. Manuel schwenkte ganz schnell und zog den Kopf weg, zog ein leicht genervtes Gesicht und konzentrierte sich wieder auf dem, was er vor sich hatte.

fruehlingsblog

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«Schatz… Was machst du denn da?» fragte Brian.

Keine Antwort störte die Morgenruhe. Nicht mal die Briese, die sonst jeden Morgen die Meeresluft über die Terrasse ins Haus reinholte und sie überall streute, traute sich, sich zu bewegen.

«Guten Morgeeeeeen… Aufwacheeeeeen…»
«Nach was sieht’s denn aus?»

«Es sieht aus nach einem hübschen alten Mann, der am frühen Morgen auf der Terrasse sitzt und seine Uhr repariert, während sein 10 Jahre jünger aussehender Lover ihm die Schulter massiert…»

«Wieso fragst du überhaupt, wenn du es so exakt beschreiben kannst?»

Manuel antwortete, ohne den Kopf oder gar den Blick zu bewegen. Er war heute nicht besonders scharf auf solche Scherze.

«Wie bist du denn darauf?» nuschelte Brian und biss mit der Zärtlichkeit eines Schmetterlings Manuels Ohr. Manuel zog sich wieder hektisch nach vorne.

«Was ist los, Schatz? Schlecht gesc

hlafen?»

Die Sonne tanzte auf der Oberfläche des Meeres, versteckte sich in jedem Tropfen und machte aus dem azurblauen Wasser eine endlose goldene Decke.

«Ich hatte heute früh eine kleine Auseinandersetzung und musste dich verteidigen, auch wenn ich es nicht wollte.

«Mit wem denn?»

«Mit der Wäsche. Sie fühlte sich vernachlässigt und war stinkig, … auch im wahrsten Sinne des Wortes.»

«Ich mach das heute.»
«Ich mach das am Wochenende.»

«Och Schatzi…»

«Nein Brian. Du bist der tolle große Fotograf, schießt einmal ein teures Foto und kriegst dafür ganz v

iel Geld, dann liegst du 30 Tage im Monat faul rum und kraulst dir die Eier. Weil du ein Talent hast. Und ich hab kein Talent, ich bin der blöde alte Work-o-holiker, der 14 Stunden am Tag schuftet und nach Hause kommt, um zu putzen und zu waschen. Hast du vielleicht eine kleine Vermutung, warum ich eventuell zickig sein könnte?»

Brian stand auf. Das schlechte Gewissen spielte wie ein Orchester in seinem Kopf, während die Schuldgefühle in festlicher Bekleidung Pirouetten drehten.

«Ich mach die Wäsche. Am Wochenende. Ich bin jetzt drei Tage weg.» zischte Manuel beleidigt.

«Wo gehst du hin?»

«Segeln. Fährst du heute in die Stadt?»

«Mit wem segeln?»
 
«Fährst du in die Stadt Brian?»
«Jetzt calm down honey! Hatte ich nicht vor… warum?»

«Könntest eventuell einen dritten Wäschekorb holen, weil unsere zwei schon voll sind…»

Brian stand auf. Die Anstrengung lies kleine, kaum sichtbare Tropfen Schweiss auf seinem Gesicht erscheinen. Vielleicht war es aber auch die Sonne, die mittlerweile heftig brannte.

«Ach…» sprach Manuel weiter und hob immer noch sein Blick kein bisschen hoch. «Aber wenn du heute nicht in die Stadt fährst, ist es praktisch. So musst du nicht mal dein Date absagen…»
«Welches Date?»
«Der, den du letzte Woche in der Sauna kennen gelernt hast. Er rief aufm Festnetz an, dass die Sauna einen Wasserschaden hat und wollte dich eventuell in deinem schönen Strand-Haus besuchen. »
Brian stand wie in Formalin präpariert, mit breit geöffneten Augen, sehr blass, und verschluckte sich in seinem eigenen Atem.

«… Und wenn du ihn ins Schlafzimmer bringst, …» Manuel stand auf, schaute seinen Mann direkt in die Augen und sprach mit eiskaltem Blick und monotoner Stimme – «… sag ihm, dass die Putzfrau krank war, deswegen liegt die Wäsche noch rum.  Putzfrau zu haben macht immer einen guten Eindruck.»

Brian weinte.
In seinem Kopf schlich sich das Ende eines Gedichtes, das er vor Jahren noch geschrieben hatte.
Geh.
Ich lasse dich im Frieden.
Nur hängt mein Herz so sehr an deinem Herzen.
Geh endlich.
Ich bin auch so zufrieden.
Was mich am Leben hält, sind Herzensschmerzen.

Die Luft war dick. Man konnte Stücke draus schneiden. Stücke Sauerstoff mit einem Hauch Rasierwasser, gefüllt mit Kaffee, überbacken mit Toastbrot, und dazu ein frischer Salat aus Meer, Sonne und dünnen Streifen Streit.

 

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